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«Blib gwundrig»

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Das Wichtigste ist, dass man nicht aufhört zu fragen

–Albert Einstein

«Gwundrig» sein bedeutet, neugierig sein oder auch «sich wundern». Wenn wir uns über etwas wundern, beobachten wir aufmerksamer, schauen genauer hin, entdecken Fremdes und Unbekanntes. «Gwundrig» sein bedeutet, Fragen zu stellen. Bei kleinen Kindern wird dieses Fragen, dieses Forschen und Wissenwollen als völlig natürlich wahrgenommen (Forscher haben gezählt, dass Kleinkinder im Schnitt 107 Fragen pro Stunde stellen). Neugier wird bei den Kleinen ohne jegliche Hemmung ausgelebt und bietet die Basis allen Lernens. Im Erwachsenenalter nimmt die Forscherlust bei dem meisten eher ab. Aus Angst davor, dass Neues und Unbekanntes womöglich unser altvertrautes Wissen und unsere Meinung auf den Kopf stellen könnten, wird die Neugier eher beiseitegelassen. Denn, unsere Meinungen und unser Wissen geben uns Halt und bieten uns eine Art Sicherheit im Leben. Teils ist die Neugier auch negativ behaftet oder wird als unangebracht empfunden.
«Gwundrig» sein führt wissenschaftlich belegt in jedem Alter zu neuen Verbindungen der Nervenzellen und hält unser Gehirn fit. Untersuchungen von Hirnforschern haben gezeigt, dass Menschen welche immer wieder Fragen stellen und sich neugierig und wissbegierig einem Thema widmen, im Vergleich geistig deutlich fitter bleiben und sogar länger leben.

Wir alle kennen die offizielle Informationsseite des Bundesamts für Gesundheit, schauen die Tagesschau und lesen lokale Zeitungen. Aber heben neugierige Kinder bei Ihrem Erkundungsspaziergang durch den Wald nur ein Schneckenhaus hoch, um zu sehen ob es bewohnt wird? Medienwissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern kritisieren immer häufiger die aktuelle Berichterstattung der Massenmedien: Es werde unnötig Panik geschürt, teilweise werde einseitig berichtet und wenig kritisch hinterfragt. Wo ist die kindliche Neugier bei vielen Journalisten aber auch bei uns geblieben? Wir wissen, dass die Angst und die Panik uns anders, oder besser gesagt kaum noch logisch und analytisch denken lässt. In meinem ersten Blog-Beitrag berichte ich über dieses Phänomen. Könnte es sein, dass viele von uns in der gegenwärtigen Angst-Atmosphäre vergessen haben «gwundrig» zu sein? Habe wir unter Anspannung und unter Stress weniger Offenheit, weniger Respekt gegenüber anderen Meinungen? Oder haben wir womöglich Angst, anders zu denken und deshalb belächelt zu werden?

Seit Beginn der Krise gibt es «gwundrige» Menschen aus allen möglichen Ländern und Fachbereichen. In den grossen Medien werden diese Kritiker eher ignoriert oder gar als «Verschwörungstheoretiker» betitelt. Offenbar werden gewisse Filme oder Websites gelöscht. Einige dieser Kritiker sind aber Experten, welche bis vor der Krise von grossen Medien zitiert und gelobt wurden. Wer entscheidet heute, welche Meldungen falsch sind und welche richtig? Wer entscheidet welche Fragen gestellt werden dürfen und welche nicht?

Unabhängig davon, ob ich nun einige von euch etwas «gwundrig» gemacht habe oder nicht wünsche ich mir für die Zukunft mehr Offenheit für Stimmen UND Gegenstimmen. Mehr Respekt und Akzeptanz vor Andersdenkern. Mehr Reflexion über die eigenen Gefühle während wir uns über Aussagen oder Verhaltensweisen entsetzen. Mehr innere Ruhe und klares Denken anstelle von Angst und Panik. Und mehr Vertrauen in das eigene Wissen und das eigene Bauchgefühl.

«Gwundrig» sein bedeutet nicht, die Situation nicht ernst zu nehmen. Lesen und denken lässt sich wunderbar vereinbaren mit sinnvollen Hygienemassnahmen wie Händewaschen, zuhause bleiben bei Symptomen, die eigenen Hust- und Nieströpfchen in die Ellenbeuge verbannen und bewusst Risikopatienten schützen.

Wir alle besitzen gesunden Menschenverstand und genügend Selbstverantwortung, um zu wissen UND zu fühlen welche Informationen für uns ganz individuell richtig oder falsch wirken. Ich glaube die Wahrheit in uns entsteht durch Wissen, Erfahrung UND Bauchgefühl.

Untenstehend ein paar Links die dazu führen könnten, dass der «Gwunder» geweckt wird. Viel Spass beim Schneckenhäuschen hochheben und inspizieren.

Härzlich Ariana

Die Wissenschaft von Heute ist der Irrtum von Morgen

–Jakob von Üxküll